Zermatt-Marathon

- Der Marathon am schönsten Berg der Welt! -

… so zumindest der Slogan für dieses Laufevent, aber kann man die herrliche Bergkulisse von 29 Viertausender wirklich genießen?

Das Wetter hat uns dies teilweise ermöglicht, aber die körperliche Anstrengung war wohl dann doch stärker als der Genuss, zumindest für die meisten Läufer.

Geplant hatten wir, Florian und ich, die Teilnahme an diesem Lauferlebnis schon lange. Da dieses Jahr der zeitige Ferienbeginn uns es ermöglichte, schon eine Woche vor dem Termin in die Schweiz zu fahren, konnten wir uns schon etwas an die Höhenluft zwischen 1.000 und 3.000 Meter gewöhnen. Außerdem sind wir Teile der (Ultra)-Marathonstrecke mit dem Matterhorn-Gornegrat-Zug und der Gornegrat-Seilbahn abgefahren sowie auch ein Stück abgewandert. Nach diesem ersten Eindruck vor Ort verursachte schon der Gedanke, die ganze Strecke zu laufen, bei mir mittelschweres „Bauchgrummeln“.

Am 2. Juli 2016 war es dann soweit. Da wir den Marathon als Staffel (je einen Halbmarathon) gelaufen sind, war mein Start in St. Niklaus und Florian ist mit dem Zug nach Zermatt gefahren und hat dort auf mich gewartet.

Nachdem die Eliteläufer los „gesprintet“ sind, fiel der Startschuss für über 2.500 Läufer 8.40 Uhr bei Sonnenschein und 18 Grad Lufttemperatur. Ich hatte insgesamt 608 Höhenmeter auf teils Asphaltstraßen, befestigten Waldwegen, aber auch Trailpassagen zu bewältigen. Nach 2 Stunden und 10 Minuten habe ich meinen Transponder in Zermatt an Florian übergeben. Für Florian war es nun ungleich schwerer, die 2. Hälfte des Marathons zu laufen. Er hatte fast 1.400 Höhenmeter zu überwinden, wobei es zwischendurch auch mehr als 5 Kilometer steil bergab ging. Die Strecke bestand fast ausschließlich aus steinigen Trailpfaden, die nur im „Gänsemarsch“ zu begehen waren.

Ich bin, während sich Florian die steilen Berge zu Fuß hoch quälte, mit der Seilbahn zur Marathonzielankunft gefahren. Dies soll im Übrigen die am höchsten fahrende Straßenbahn der Welt sein (3.085 Meter). Jetzt konnte ich die Aussicht auf die atemberaubende Bergwelt etwas genießen, wobei ich mit den Gedanken immer bei Florian war und hoffte, dass er gut und gesund ins Ziel kommt. Von der Bahn aus konnte man sehen, wie die Läufer mehr gehend gebückt als aufrecht laufend versucht haben, die steilen Anstiege zu besiegen. Ich habe richtig mitgelitten.

Nach 3 Stunden hat dann Florian völlig erschöpft das Ziel erreicht und ich konnte ihn glücklich in die Arme nehmen.

Rückblickend mit ein paar Tagen Abstand weiß ich immer noch nicht so richtig, ob dies wirklich, wie so oft geschrieben, einer der schönsten Marathons ist. Sicher ist es ein wunderbares Naturerlebnis. Die erste Hälfte der Laufstrecke ist für einen „Freizeitläufer“ mit etwas Vorbereitung auch noch ganz gut zu schaffen, aber der 2. Teil hat eher mehr mit konditionell anstrengenden und zügigen Wandern im Gänsemarsch als mit einem schönen Lauf zu tun. Der bei wolkenlosem Himmel mögliche Blick auf das Matterhorn und die beeindruckende schneebedeckten Bergspitzen nach dem Zieleinlauf entschädigten dann doch wieder für die schweißtreibenden Strapazen und die Freude über das Geschaffte überwog.
Bericht von Heidrun Ballmann