Zugspitztrail

Schwarzenberg / Grainau: Am 21.06. traf sich die Trailrunning – Gemeinde im Zugspitzdorf Grainau, um zum 4.Mal durch die atemberaubende Landschaft des Wettersteingebirges mit dem höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze, zu laufen.
Angeboten werden seit diesem Jahr 4 Strecken, den 35km langen BASETRAIL mit Start in Mittenwald, den 60km langen Supertrail von Leutasch, den Supertrail XL mit 80km in Ehrwald und zu guter letzt der Ultratrail mit 100km und ca. 5400HM mit Start in Grainau. Zielort für alle Strecken ist Grainau.Unter die 2000 Starter mischten sich auch dieses Jahr wieder Läufer aus dem Erzgebirge. René Lauckner vom Läuferbund Schwarzenberg wollte es, nach seinem Start 2013 über die 70km, wissen und begab sich mit seinen Lauffreunden Ingo Schulz aus Burkhardtsdorf, Thomas Lang aus Crottendorf und Martin Grepl aus Berlin dieses Mal auf die komplette Runde. Das Wetter meinte es sehr gut mit den Läufern. Regnete es am Freitag noch in Strömen, zeigte sich nach Auflösung der Nebelfelder am Vormittag die Sonne und sorgte für angenehme Temperaturen im Hochgebirge.Die Strecke ging von Grainau via Eibseealm (V1) nach Ehrwald (V2) in Österreich, von dort folgten die Läufer den Wanderwegen zur Pestkapelle (V3), wo die Läufer des Supertrail XL zu ihnen stießen, über das Feldernjöchl und die Rotmoosalm und weiter locker flockig zur Hämmermoosalm, der 4. Verpflegung bei KM42. Ich war gut unterwegs, fühlte mich stark und merkte deutlich die Fortschritte in Lauftechnik und Trittsicherheit auf den Downhillpassagen. 

Hier jubelten uns unsere Fans (Sylvia und Ingos Familie) zum ersten Mal zu und wir konnten unsere Eigenverpflegung wieder ergänzen.
Frisch gestärkt ging es hinauf auf Scharnitzjoch, wo zuvor schon die Supertrailer aufgestiegen waren, und auf einem langen Downhilltrail runter nach Leutasch zum Hubertushof (V5 und Kleiderwechselmöglichkeit).

Nun folgte das Flachstück der Runde, auf dem man sich die Beine wieder locker laufen konnte. Konnte ich hier letztes Jahr noch recht flott die Strecke entlang der Leutascher Ache hinter mich bringen, machten sich hier nun Luftprobleme bemerkbar, die ich bisher so nicht kannte. Wie sich später herausstellte machte mir dieses Jahr die Höhenanpassung Probleme, was wohl daran lag, dass ich dieses Jahr noch nicht im Hochgebirge unterwegs war. Wieder was gelernt.
Aber zählt ja nichts, man will sich ja keine Blöße geben. Also wurde das Tempo gedrosselt und „gemütlich“ gen Mittenwald (V6) getrabt. Man folgte nun weiter einem schönen Singletrail durch den Wald und weiter um den Ferchensee zur V7 am Gasthof Ferchensee, wo die Läufer des Basetrails auf die Runde stießen. Die nächsten 6-7km fand ich letztes Jahr schon weniger schön und so wollte sich auch dieses Jahr hier keine Freude einstellen, war ich doch fast allein unterwegs und wurden auch die Luftprobleme nicht besser. Aber auch das Stück wurde zielstrebig durchquert und es folgte der anspruchsvolle Abstieg hinunter zur Partnach in der Nähe von Garmisch, dem tiefsten Punkt auf der Strecke.

Der nun folgende Anstieg über die Partnachalm (V8 – hier bereitete ich mich auf die einsetzende Dämmerung vor – Umziehen und Stirnlampe einsatzbereit machen / Thomas musste hier leider aussteigen) hinauf zur Talstation Längenfelder war für die meisten Läufer ein Kampf mit dem inneren Schweinehund und wurde allein im Kopf gewonnen. Schier unendlich viele Kehren in einem dichten Wald und kein sichtbares Ziel ließen diese 6km mit ca. 650HM zur Qual werden. Wie froh war ich, als ich endlich Stimmen vom Längenfelder her hörte und wusste, dass ich nun nicht mehr weit bis zur vorletzten Verpflegung hatte. Hier verweigerte mein Körper dann die Aufnahme von ISO-Getränken und fester Nahrung. Zum Glück hatte das Verpflegungsteam auch etwas Bier dabei, was sie uns auch gern gegeben haben. Kurz noch informiert, wie es in Brasilien steht (Ghana hatte gerade den 1:1 Ausgleich erzielt) ging es den letzten Anstieg zur Bergstation der Alpspitzbahn über 4km mit ca. 400HM hinauf. Konnte ich hier letztes Jahr aufgrund des dichten Nebels nichts von der schönen Bergwelt sehen, lag es diesmal am fehlenden Tageslicht. Dafür bot sich uns ein toller Anblick über Grainau und Garmisch bei Nacht und auch die Läuferkette mit ihren Stirnlampen und die Lagerfeuer der Bergwachtcamps sorgten für ein tolles Ambiente. Leider konnte ich es nicht so genießen, kämpfte ich doch hier sehr stark mit den Luftproblemen. Mein Pulsschlag war bei 105, aber ich pumpte, als wäre er bei 180. Aber auch diesen Anstieg habe ich erklommen und so ging es dann wieder hinunter zum Längenfelder. Es galt nun, die Konzentration hoch zu halten, um durch die eingeschränkte Sicht nicht noch auf den letzen 10km zu Sturz zu kommen und auszuscheiden. Dementsprechend war nun auch die Geschwindigkeit eher niedrig, was aber nach über 16h auch egal war, konnte das angestrebte Ziel vom Dayfinisher nun nicht mehr erreicht werden.

Also kurz an der V10 noch nen Schluck Wasser getrunken und nach dem Endstand gefragt, ging es die letzten 6km hinunter nach Grainau, wo ich nach 17:39h das Ziel erreichte. Ingo folgte mir nach 18:19h und Martin nach 18:47h im Ziel nach. Hier wurden wir von unserer Fangemeinde bereits erwarten und natürlich war die Freude groß, dass wir das Ziel gesund erreicht haben. Wir Läufer waren dann auch mit unserem 1. Hunderter zufrieden, war es doch ne tolle Leistung und vor allem eine gelungene Veranstaltung, welche am Sonntag mit der Siegerehrung um 10.00 und dem gemeinsamen Weißwurstessen abgerundet wurde.

Wir gratulieren den Siegern auf den einzelnen Strecken und in den Altersklassen und natürlich allen Finishern.

Ich kann für mich als Fazit ziehen, dass die Beine und der Fitnesszustand der Herausforderung gewachsen waren und ohne das Luftproblem die 15h durchaus machbar gewesen wären. Das werde ich auch in einem der nächsten Jahre einmal unter Beweis stellen wollen.
So kann ich dann auch allen Freunden des Trailruns, mit entsprechenden Erfahrungen im Hochgebirge, die Veranstaltung an der Zugspitze als Topevent empfehlen.